Hanselfingerhut-Fest

in Forst a. d. Weinstraße

Hanselfingerhut-Fest
© Tourist-Information Deidesheim
Hansel-Fingerhut-Fest in Forst

Forst an der Deutschen Weinstraße, der berühmte Edelweinbauort der Mittelhaardt hat sein eigenes Sommertagsspiel, das unter dem Namen „Hanselfingerhut“ weit und breit bekannt ist und alljährlich am Sonntag Lätare ab 14.00 Uhr aufgeführt wird.

Dieses Sommertagsspiel ist schon weit über 200 Jahre alt. Geschichtliche Aufzeichnungen in den Gemeinderechnungen führen bis 1721 zurück. Es ist ein dramatisches Spiel, das einst ein-mal vor ca. drei Jahrhunderten durch Neubürger, Zuwanderer aus Oberdeutschland und der Schweiz zu uns getragen wurde und sich mit dem hier bodenständigen Sommertagsbrauch vermählte. Am lebendigsten und bekanntesten ist das Spiel in dem Weinort Forst. Obwohl es rein äußerlich kein besonderes Kunstwerk darstellt, so liegt in ihm doch ein tieferer Sinn. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Volksspiel, gewürzt mit Humor und Originalität. Dem Spiel liegt die altgermanische Vorstellung des Kampfes zwischen Winter und Sommer zu Grunde.

Dieses Sommertagsspiel gliedert sich in vier Auftritte und umfaßt sechs Rollen. Die Dorfstraße ist die Bühne, auf der sich das Spiel abwickelt. Der erste Auftritt bildet einen Kampf zwischen Sommer und Winter. Beide Darsteller stecken in einem kegelförmigen Häuschen, das aus Latten und Stangen hergestellt ist. Das Häuschen des Winters ist mit Stroh gekleidet und mit einem Strohkreuz gekrönt, während das Häuschen des Sommers mit Efeu bedeckt und an der Spitze mit einem blau-weißen Fähnchen geziert ist. In Kopfhöhe befindet sich an den beiden Häuschen eine kleine Öffnung, ein Guckloch. Beide Streiter sind mit Holzsäbeln ausgerüstet und befinden sich in den Häuschen, die sie durch die Dorfstraße tragen. Nach längerer Wechselrede, in der beide ihre Vorzüge hervorheben, kommt es schließlich zum Kampf, in dem der Sommer als Sieger hervorgeht.

Im zweiten Auftritt sehen wir den Henrich-Fähnrich, der uns an den Fähnrich der einstigen Landsknechte erinnert und in dessen Hand die richterliche Gewalt liegt. Henrich-Fähnrich entscheidet den Streit zwischen Sommer und Winter.

Im dritten Aufzug kommt die Hauptperson des Sommertagsspieles, der Hanselfingerhut. Sein Kleid ist zerlumpt und sein Gesicht mit Öl und Ruß beschmiert. In der Hand hält er einen mit Ruß gefüllten Ballen. Er stellt in seinem Aussehen den Typ eines Vagabunden dar, der sein Hab und Gut durchgebracht hat. Dennoch ist er stets zu tollen Streichen aufgelegt und neckt sich besonders gerne mit jungen, hübschen Mädchen. Während er sein Sprüchlein singt, pendelt er zwischen den etwa 5 Meter voneinander entfernten Sommer- und Winterhäuschen. Am Schluß seines Sprüchleins sucht er sich ein Mädchen aus der Zuschauermenge zu erhaschen, um ihm sein schwarzes Brandmal ins Gesicht zu drücken (Kuß).

Im vierten Auftritt wird der Hanselfingerhut, der inzwischen sehr ermüdet ist, von dem Scherer (Barbier) rasiert und ihm durch Aderlaß an der Zehe innere Erleichterung geschaffen. Doch die Kur ist etwas zu stark und Hanselfingerhut sinkt ohnmächtig zu Boden. Alle Mitspieler umkreisen und beklagen ihn. Henrich-Fähnrich kitzelt dabei den Hanselfingerhut mit seinem Degen in die Rippen. Er erwacht wieder und die Nudelgret eilt herbei, um den schwachen Hanselfingerhut mit frischen Brezeln zu stärken. Alle sind wieder einig und stellen sich gerne wieder in den Dienst des Sommers und des Winters. So ziehen die Spieler weiter durch die Straßen des Dorfes um dieses Sommertagsspiel immer wieder erneut aufzuführen, gefolgt von Alt und Jung, die sich an dem munteren Spiel freuen und ihren Spaß haben. Anschließend erfolgt auf dem Festplatz die Verbrennung des Winters.

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11.03. - 11.03.2018 von 14:00 bis 18:00 Uhr

Standort:

Gemeinde Forst an der Weinstraße

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